Andreas Witteler – ein Iserlohner Autor stellt sich vor

Andreas Witteler liest

An der Bushaltestelle links rein, dann wieder links und an der Hecke parken – so lautete die Wegbeschreibung zu meinem ersten Interviewtermin mit dem Autor Andreas Witteler. Vor lauter Aufregung habe ich die Bushaltestelle übersehen, fuhr weiter gerade aus, bis ich im nächsten Ortsteil von Iserlohn heraus kam. Auf dem Rückweg fand ich die Bushaltestelle, auch die beschriebene Hecke, an welcher ich parken sollte und wurde anschließend von einem fröhlich strahlenden Mann begrüßt.

SME: Du bist ja schon richtig gut gelaunt zu dieser frühen Stunde.

AW: Klar, ich bin doch ein Frühaufsteher. Am liebsten arbeite ich, wenn noch alles schläft. Dann gehe ich hinunter in mein Büro und setze mich an meinen Schreibtisch.

SME: Früh morgens drehe ich mich lieber noch einmal um.

AW: Ich nicht. Morgens um sechs ist für mich die beste Zeit zum Schreiben.

SME: Da dieses Interview auf meinen Blog „Iserlohn und Drumherum“ erscheinen soll, will ich natürlich zuerst wissen, ob du auch ein waschechter Iserlohner bist. Und, bist du es?

AW: Na klar! Ich bin Ur-Iserlohner. Meine Familiengeschichte beginnt mit Kasper Witteler und lässt sich bis in das Jahr 1839 zurückverfolgen. Ich studiere dafür alte Fotos und versuche Verwandte ausfindig zu machen, die mir ihre Geschichte erzählen können, damit ich das Puzzel in allen Einzelteilen zusammen legen kann. Aufgewachsen bin ich am Dördel – ganz in der Nähe, in der du jetzt wohnst – und in der Grundschule Bleichstraße begann meine schulische Laufbahn.

SME: Ein wirklich spannendes Thema! Schön hast du es übrigens hier in deinem Büro – gemütlich und vor allem schön viel Grün vor der Nase.

AW: Und praktisch ist es obendrein. Wenn ich manchmal früh morgens eine Idee habe, kann ich noch im Schlafanzug nach unten gehen und störe dort keinen mit meinen Tastaturgeräuschen.

SME: Dein jetziger Beruf als Grafikdesigner ist an sich ja schon sehr kreativ. Bist du darüber auch zum kreativen Schreiben gekommen?

AW: Nein, nicht wirklich! Ursprünglich habe ich einmal Schriftsetzer gelernt – die genaue Bezeichnung dafür ist Typograf. Damals stand ich noch ganz traditionell am Schriftkasten und habe die Texte verarbeitet, die andere Menschen geschrieben haben. Natürlich habe ich diese auch gelesen. Meine erste eigene Geschichte habe ich erst mit 20 Jahren geschrieben. Diese habe ich dann meiner Mutter, einer buchbegeisterten Frau, zum Lesen gegeben.

SME: Und das Ergebnis?

AW: Naja, wie das immer so ist, wenn man nahen Angehörigen und Freunden eine selbst geschriebene Geschichte zum Lesen gibt. Meine Mutter fand sie toll. In Wirklichkeit war sie natürlich Schrott, obwohl meine Mutter das nie zugegeben hätte.

SME: Die Liebe zu Büchern ist also von deinen Eltern auf dich übergegangen?

AW: Das Lesen fiel mir nie besonders schwer. Ich habe viel gelesen. Meine Mutter war mir dabei eher ein Vorbild als mein Vater. Er war Buchbinder von Beruf, hat also Bücher gemacht, aber nie welche gelesen. Meine Mutter hat jede nur erdenkliche Textzeile in sich aufgenommen. Sie war schon ein wenig buchverrückt.

SME: Weißt du noch, wie dein erstes Buch hieß, dass du selber gelesen hast?

AW (schmunzelt): Du wirst lachen, dass weiß ich wirklich noch. Das Buch hieß »Stipps und Stuppsi und ihr Igel« und war in Schreibschrift verfasst. Ansonsten standen bei mir die Bücher von Enid Blyton ganz hoch im Kurs. Nun, eigentlich habe ich alles gelesen, wo ich in meiner Fantasie abtauchen konnte, wo sich fremde Welten aufgetan haben in denen ich durch das Lesen Einlass bekam.

SME: Wenn du viel gelesen hast, dann hast sicherlich auch schon immer gern geschrieben, oder?

AW: Ganz im Gegenteil. Ich habe das Schreiben in der Schule gehasst. Du musst wissen, ich bin zu einer Zeit in die Schule gegangen, als Linkshänder noch umerzogen wurden. Und ich gehöre genau zu dieser besonderen Spezies. In der Schule war Schreiben für mich ein Gräuel. Erst 1984, als ich zum Computer fand, wurde das Schreiben für mich interessant und zur Passion.

SME: Und wie bist du nun zum »Wortmaler« geworden?

AW: Wie ich zum Wortmaler wurde? Hm, lass mich überlegen…

SME: Lass dir ruhig Zeit…

AW: Angefangen hat alles bei einem VHS-Kurs im Jahr 2007. Dort habe ich zum ersten Mal meine heiligen Schreibhallen verlassen und bin auf Gleichgesinnte gestoßen. Als ich die Worte zum ersten Mal hinausgelassen haben, gab es kein Zurück mehr. Nachdem zwei Kurse durchlaufen waren, wollten einige weiter machen. Unter anderem auch ich. Wir haben uns zu einer Autorengruppe zusammengeschlossen. Diese trifft sich seit dem einmal im Monat. Mit einfachen Schreibübungen haben wir angefangen und mit der Zeit haben sich eine ganze Reihe Texte angesammelt. Ich habe also nicht nach Worten gesucht, die Worte haben mich gesucht und sie haben mich gefunden. Seit dem schreibe ich. Manche meinten sogar, dass man sich die beschriebenen Situationen richtig gut vorstellen könnte. So als entstammten sie einem Bild. Man sagte mir nach, ich wäre ein Wortmaler.

SME: Auf deiner Homepage, die sinnigerweise »www.wortmaler-is.de« heißt, hast du einige Geschichten von dir veröffentlicht. Woher nimmst du deine Ideen? Fliegen sie dir genauso zu, wie die passenden Worte oder gehst du speziell auf Ideen-Fang?

AW: Die Geschichten liegen auf der Straße, man muss nur die Augen und die Ohren aufhalten. Wortfetzen, die ich irgendwo auffange, reichen manchmal. Oder ich setze mich in ein Café und beobachte einfach nur die vorbei eilenden Menschen. Wenn man nur ein bisschen aufmerksam ist, kann man überall eine Geschichte finden, egal ob auf dem Markt, beim Fleischer oder beim Bäcker.

SME: Das stimmt! Sich krampfhaft etwas zu überlegen ist meist nicht besonders produktiv.

AW: Wenn du jetzt allerdings einen Roman schreibst, dann merkst du schon, dass eine gewisse Struktur unbedingt nötig ist.

SME: Willst du damit sagen, du arbeitest gerade an einem Roman? Erzähl mal!

AW: Ein Autor lässt sich nicht gern in die Karten gucken. (lacht) Ich möchte ungern zu früh etwas verraten. Ich schreibe in der Tat an meinem ersten Roman. Ein spannendes Thema, welches viel Recherchearbeit beinhaltet, bevor die ersten Zeilen überhaupt verfasst werden konnten. Aber grundsätzlich steht und fällt jeder Roman mit den Vorarbeiten zu einem Thema. Einfach drauf los schreiben, ist ohnehin nicht möglich. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.

SME: Wenn dein Roman druckfrisch vor dir liegt, werde ich noch einmal auf dich zurückkommen.

AW: Ich nehme dich beim Wort!

SME: Apropos druckfrisches Buch. So ganz frisch ist es nicht mehr, aber habt ihr nicht mit euer Autorengruppe bereits ein Buch veröffentlicht?

AW: Richtig. Nachdem wir zwei Jahre fleißig geschrieben haben, überlegten wir zusammen, wie es nun weiter gehen soll. So entstand die Idee, die besten Geschichten auszuwählen und in einer Anthologie herauszubringen. Wir brauchten ein gutes dreiviertel Jahr bevor wir im September 2010 unser erstes Buch in den Händen halten konnten. Seit dem sind wir auch regelmäßig in der Region unterwegs, um daraus vorzulesen. In der Hans-Prinzhorn-Klinik in Frönsberg, während der NRW-Literaturtage oder zu den Dinnerlesungen im La Maison Schroter, hatten wir bereits tolle Leseabende.

SME: Und was macht Andreas Witteler, wenn er nicht gerade schreibt oder liest?

AW: Ich bin ein sehr vielfältig orientierter und kreativer Mensch. Sieh mal, ich trage zum Beispiel keine Uhr, um mich nicht von der Zeit treiben zu lassen. Alles dauert so lange, wie es dauert. Wenn ich auf eine Uhr schaue, dann sehe ich, wie die Zeit verrinnt. Ich will aber mit der Zeit leben und jeden Augenblick bewusst erleben. Mein Beruf als Grafikdesigner ist total spannend und birgt jeden Tag neue Überraschungen. Außerdem fotografiere ich unheimlich gern, habe meine Autorengruppe und gebe VHS-Kurse für Schreibbegeisterte. Dass ich meine Kreativität ausleben darf, bedeutet für mich ein großes Maß an Freiheit. In meinen Geschichten können die Protagonisten Dinge tun, die sich Andreas Witteler im wahren Leben verwehren würde.

SME: Ich danke dir, dass du dir Zeit für mich genommen hast. Da ich selber auch keine Uhr trage, kann ich dir nicht mal sagen, wie lange unser Gespräch gedauert hat. Aber schön war es!

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2 Gedanken zu “Andreas Witteler – ein Iserlohner Autor stellt sich vor

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