Kaffeesucht, Literaturhotel und völlige Entspannung – Sabine Hinterberger im Gespräch

Sabine Hinterberger, Autorin

Zum zweiten Mal in diesem Halbjahr, betrat ich das Literaturhotel im schönen Iserlohner Stadtwald. Beim ersten Mal, traf sich unsere Autorengruppe in den erlesenen Räumlichkeiten – diesmal würde ich auf Sabine Hinterberger treffen. Sie lebt und arbeitet, wie sie selbst auf ihrer Internetseite erklärt, als Schriftstellerin in der einzigen Stadt in NRW, in der eine Autobahnbrücke über einen Ausflugssee führt, auf dem man des Nachts und bei Vollmond mit dem Tretboot um die Brückenpfeiler Slalom fahren kann. Im Jahr 2003 erblickte ihr erster Roman „Vollmond in Blau“ das Licht der Welt, viele spannende Kurzgeschichten folgten. Sabine Hinterberger ist als Autorin in Iserlohn ein Begriff, so wie die Tatsache, dass es im Sauerland ständig regnet.

SH: Was ist denn mit dir los? Du siehst irgendwie…

SME: Sag nichts! Draußen regnet’s Hunde und Katzen.

SH: Ganz ruhig. Setz dich erst mal, trink einen Milchkaffee und alles wird gut.

SME: Daran erkennt man deine Vorliebe für Kaffee, von der ich schon so viel gehört habe.

SH: Stimmt. Ich habe eine Schwäche für Milchkaffee. (überlegt) Eigentlich bin ich Kaffeesüchtig. Kaffee und Schreiben gehört für mich einfach zusammen. Ich habe es eine Zeit lang mit Tee probiert. Das geht auch, ist aber lange nicht so schön.

SME: Wie wäre es mit Wasser?

SH: Nö. Mit Kaffee ist es einfach am Besten. Außerdem ist es gar nicht so leicht, darauf zu verzichten, wenn immer welcher da ist. Bei der Arbeit steht zum Beispiel ständig eine volle Kanne herum. Wie soll ich da widerstehen?

SME: Bei der Arbeit, heißt im Jugendzentrum der Stadt Iserlohn, wo du als Diplom-Sozialarbeiterin tätig bist? Was sind dort deine Aufgaben?

SH: Wir wollten doch gar nicht von der Arbeit sprechen.

SME: Nur ein bisschen, versprochen.

SH: Ich leite unter Anderem seit September/ Oktober 2011 die Schreibwerkstatt, in der Schüler aus unserem Haus und Schüler aus anderen Schulen zusammen kreativ werden.

SME: Und wie ist die Resonanz?

SH: Verhalten. Leider sind im Moment nur drei Jugendliche dabei, wovon auch nur einer aus dem Sozialzentrum kommt.

SME: Was machen denn die anderen Jugendlichen bei euch? Stricken?

SH: Hör mir bloß damit auf. Stricken war zeitweise die Lieblingsbeschäftigung unserer Schüler. Wenn du dir die Bäume vor dem Jugendzentrum anschaust, weißt du, was ich meine. Irgendwann hatten sie eine Technik, bei der sie sogar ohne Nadeln – nur mit den Fingern- gestrickt haben.

SME: Immerhin ist es sehr kreativ. Du arbeitest dort mit vielen Schülern aus „schwierigen Verhältnissen“, Schulschwänzern oder Kindern, die bei euch eine zweite Chance bekommen. Wenn ich dabei an dein, 2006 veröffentlichtes Buch „Scheißspiel“ denke, könnte ich mir vorstellen, dass deine Inspiration für deine Bücher aus den realen Geschichten hervorgeht. Ist das so?

SH: Eigentlich ganz selten. Klar, hat man immer mal wieder den ein oder anderen Jugendlichen vor Augen, aber ich trenne ganz bewusst. Arbeit ist Arbeit, beim Schreiben entspanne ich mich.

SME: Wie kann ich mir diese Entspannung vorstellen?

SH: Meistens gehe ich nach der Arbeit in ein Café und schreibe mir den Tag aus dem Kopf. Es sind häufig nur kleinen Szenen oder Dinge, die mich beschäftigen. Dazu trinke ich dann einen Milchkaffee… Am liebsten bin ich jedoch im Literaturhotel. Hier bin ich häufig am Wochenende anzutreffen und genieße die Ruhe. Kein Telefon, kein Internet – nur ganz viele Bücher und ich.

SME: Und dort schreibst du fleißig. Ich bin beim Vorbereiten, auf etliche Bücher gestoßen, die seit 2002 veröffentlicht wurden.

SH: Moment. Es sind alles Bücher, die ich als Self Publisher verlegt habe, also ohne einen Verlag. Meine Bücher sind alle in kleiner Auflage heraus gekommen. Das ist schon ein Unterschied. Gern werden wir Selbstpublizierer von den anderen „richtigen“ Autoren ein wenig belächelt. Allerdings bin ich frei in meinen Entscheidungen, kann mein Buch so gestalten, wie ich es für richtig halte und muss mir keine Vorschriften machen lassen. Der Weg zum Erfolg ist darüber aber auch etwas steiniger.

SME: Dein „Scheißspiel“ habe ich in einer Iserlohner Buchhandlung gesehen.

SH: Richtig, es gab eine kleine Auflage, die im lokalen Buchhandel oder über mich zu haben ist.

SME: Wir zwei haben uns bei einem Kreativen-Schreib-Kurs der VHS kennengelernt. Gibst du noch Kurse?

SH: Im Prinzip schon. Leider ist das Interesse der Iserlohner nicht so ausgeprägt, dass die Kurse immer stattfinden. Der Letzte zum Beispiel, hatte nur vier Anmeldungen und ist somit nicht zustande gekommen. Schade eigentlich.

SME: Mich würde interessieren, ob du schon immer Schriftstellerin werden wolltest.

SH: Na klar! Entweder Schriftstellerin oder Schwimmerin, weil sich schreiben und schwimmen sehr ähnlich sind. Als Kind war ich aktiv im Schwimmverein, als ich älter wurde verlor sich dieser Wunsch jedoch wieder. Beim Schreiben war es anders. Meine erstes Buch habe ich mit sechs Jahren geschrieben. (schmunzelt) Es war in einem, dieser DIN A5 Heften verfasst. Leider hatte es nur eine Seite. Erst im Studium habe ich mit dem Schreiben so richtig angefangen, seit dem kann ich es nicht mehr lassen.

SME: Kann man Sabine Hinterberger auch in Farbe und bunt erleben? Gibst du zwischendurch Lesungen?
SH: Na klar. Kürzlich fand erst eine Dinnerlesung statt, wo unser Autorenkreis seine neusten Geschichten zum Besten gab – eingebunden in ein grandioses Fünf-Sterne-Menü. Am 10. November wird die Dinnerlesung im La Maison Schroter wiederholt, weil das Interesse an so einem Abend einfach groß ist. Wer mich zusätzlich sehen will, kann einen Tag eher, am 09. November im Literaturhotel bei einer Lesung dabei sein. Dort liest auch Andrea Reichard vom Literaturhotel.

SME: Lesen vor Publikum – Bist du vorher aufgeregt?

SH: Ganz ehrlich? – Nicht ein bisschen! Mir machen diese Lesungen riesigen Spaß. Klingt verrückt, ist aber so.

SME: Danke, dass du dir die Zeit für mich genommen hast.

Sabine Hinterberger im Netz: sabine-hinterberger.de

Ein Auszug aus meinem „Freundebuch“ – mit PIRATENAUFKLEBER, wie versprochen. 😉

„Scheißspiel. Zwei Erzählungen“ (2006) – Taschenbuch

Zwei Jugendliche. Zwei Geschichten aus dem Abseits, vom Rand des „Spielfeldes“: Ludger, der nach seinem missglückten Selbstmordversuch in die Psychiatrie kommt und Kai, der nach dem Selbstmord seines besten Freundes Oliver das Tor nicht mehr trifft.

„Kopfüber und aus heiterem Himmel: Erzählung“ (2007) – Taschenbuch

Klappentext: Nicht immer haben angefangene Geschichten auch ein Ende. Wenn derlei merkwürdige Dinge passieren, sind wir schon mittendrin in der Geschichte von Heriald, der Hauptfigur in einem Text von Ludwig H. Rinnstein, der ihn schlichtweg in einer von ihm angefangenen Erzählung vergessen hat. Als Heriald seinem Autor begegnet, sitzt er schon seit drei Jahren Kaffee trinkend und auf den Fortgang seiner Geschichte wartend im Apollo Service Kino in Altena.

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2 Gedanken zu “Kaffeesucht, Literaturhotel und völlige Entspannung – Sabine Hinterberger im Gespräch

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