Nicht am Ende der Welt – der Autor Claus Karst im Interview

Claus Karst, Autor aus Hemer

Claus Karst, Autor aus Hemer

Der gebürtige Essener und in seiner Wahlheimat Hemer ansässige Autor Claus Karst ist ein kritischer Zeitgeist. Mit mir hat er sich im Café Ellen über sich, seinen neuen Roman „Finisterre“ und über neue Projekte unterhalten.

Alter: 73,9 (biologisch)

Beruf: technischer Baukaufmann

Für einen Tag wäre ich gern einmal: Bundeskanzler

Dort arbeite ich am liebsten: In meiner Schreibwerkstatt

Morgens um sechs: Schlafe ich tief und fest, manchmal träume ich auch

Lieblingszitat: “Niemals sich beugen, immer sich zeigen.” aus Goethes “Beherzigung”

Dieses Buch lese ich gerade: “Meine deutsche Mutter” von Niklas Frank

Die drei obligatorischen Dinge für eine einsame Insel: ausreichend Lektüre, Laptop, meine Familie

***

SME: Guten Morgen, Claus. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Vor allem, weil ich diesmal die Fragen stellen darf.

CK (lacht): Wie lange ist das her, dass du in meiner Sendung „WortArt“ warst?

SME: Fast ein halbes Jahr, würde ich sagen. Und damals hast du mich in deiner Radiosendung ganz schön ins Schlittern gebracht. Wie bist du als Autor eigentlich in den Lokalfunk gekommen?

CK: Es ergab sich zufällig. Das Literaturformat im Bürgerradio wurde aus persönlichen Gründen 2010 vakant und ich, der ich dort mehrmals Gast war, gefragt, ob ich Lust hätte, das Format zu übernehmen. Ohne lange zu überlegen, habe ich JA gesagt. Den Titel WortArt habe ich nach der Übernahme geprägt.

SME: Du hast regelmäßig junge aufstrebende Autoren und Autorinnen zu Besuch. Siehst du dich selbst als eine Art Mentor?

CK: Ja, das betrachte ich durchaus auch als meine Aufgabe. Wir haben im Märkischen Kreis eine große Anzahl an sehr talentierten Autorinnen und Autoren, die noch keiner oder nur ein kleines Publikum kennt. Ich betrachte meine Sendung als Plattform, um auf solche verborgenen Talente aufmerksam zu machen. Aber die Möglichkeiten in Iserlohn sind vielfältig. Nehmen wir nur einmal das Literaturhotel. Hier finden regelmäßig Lesungen statt. Auch ich lese regelmäßig dort. Aber auch in der Stadtbücherei oder hier, im Café Ellen, gibt es regelmäßig Lesungen.

SME: Irgendwie läuft trotzdem vieles auf das Literaturhotel hinaus. Das ist eine besondere Bereicherung für unsere Stadt. Würdest du sagen, speziell Iserlohn und der Märkische Kreis haben einen ganz aparten Reiz für Autoren? Sind wir hier im Kreis besonders kreativ?

CK: Das Hotel ist schon eine Besonderheit. Es ist sozusagen einzigartig in Deutschland und es erhebt einen hohen Anspruch an die Autorenschaft, aber auch an seine Besucher. Ich selbst treffe mich regelmäßig mit meiner Literaturgruppe im Hotel. Wir nennen uns „Das Literarische Dutzend“. Beteiligt sind neben zehn heimischen Autoren auch einer aus Freudenberg und ein korrespondierendes Mitglied aus Bamberg.

SME: Ihr trefft euch zum Schreiben?

CK: Unter anderem. Wir unterstützen uns gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus, halten aber auch regelmäßig Lesungen im Literaturhotel. Die nächste ist übrigens am 14. Juni. Dazu eine herzliche Einladung.

SME: Danke. Das werde ich mir vormerken. Du bist aber nicht immer Schriftsteller gewesen. Wie kam es zu diesem Umstand?

CK: Ich selbst war im Herzen immer ein Künstler, habe Kabarett gemacht, Theater gespielt und in einem Madrigal-Chor gesungen. Allerdings war mein Vater der Meinung, ich solle einen vernünftigen Beruf erlernen, darum bin ich Baukaufmann geworden. Als ich in den vorzeitigen Ruhestand gehen konnte, begann ich meine Geschichten aufzuschreiben.

SME: Da entstand dein erster Roman?

CK: Ja, den ersten Roman „Treffpunkt Hexeneiche“ zu schreiben, war mir ein inneres Bedürfnis und der eigentliche Grund, warum ich mit dem literarischen Schreiben begonnen habe. Darin greife ich viele Dinge aus meiner eigenen Lebensgeschichte auf – auch in Bezug auf die Nazi-Diktatur. Diesen Roman habe ich mit viel Herzblut geschrieben. Leider ist dieser nur in einem Kleinverlag erschienen. Der Verlag hat sich wenig um die Verbreitung gekümmert und ich war einfach noch zu frisch im Geschäft, als dass ich alles überblicken konnte, was mit der Veröffentlichung eines Buches auf mich zukam.

SME: Bei „Finisterre“ ist das anders. Wie bist du an den Oldigor Verlag gekommen.

CK (guckt verwundert)

SME: Doofe Frage?

CK (lacht): Ich stelle diese doofen Fragen ja auch immer… Im Ernst, durch Mundpropaganda. Wir Autoren empfehlen auch schon mal den einen oder anderen Kollegen. Aber das ist eher die Ausnahme.

SME: Über Wochen in der Bestseller-Liste des Oldigor Verlags vertreten und in der Hemeraner Buchhandlung ein Kassenschlager: Wie erklärst du dir dieses Phänomen?

CK: Das liegt sicherlich auch am Genre. „Finisterre“ ist als Kriminalroman beworben worden, und zurzeit sind Krimis wohl die besten Verkaufsgaranten. Ich bin eigentlich eher ein Geschichtenerzähler. Auch „Finisterre“ ist aus einer sehr viel kürzeren Erzählung heraus entstanden. Aber die Handlung hat den Verlag überzeugt, dass sie mich baten, einen Roman daraus zu entwickeln.

SME: Und das mit Erfolg. Dein zweiter Roman „Finisterre“ ist im Dezember letzten Jahres beim Oldigor-Verlag erschienen. Du hast zwei Romane veröffentlicht, diverse Anthologien mit deinen Geschichten bestückt. Was ist nun in Planung?

CK: Nun, ich schreibe derzeit an der Fortsetzung von „Finisterre“. Allerdings werden dort nur noch wenige Figuren aus dem ersten Teil auftreten. Außerdem stehe ich mit dem Oldigor-Verlag in Verhandlung für ein Buch mit kurzen Geschichten. Ich selbst mag es, vor dem Schlafengehen eine Geschichte bis zum Ende zu lesen. Das gelingt mit einem Fünfhundertseiten Roman in den seltensten Fällen. Und ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen ein solches Leseverhalten an den Tag legen.

SME: Wir dürfen gespannt sein. Ohne dem Inhalt deines Romans etwas Wesentliches vorweg zunehmen: Es wird mystisch. Besonders durch das Auftreten zweier Frauen aus der Volksgruppe der Roma. Gab es einen speziellen Grund dafür?

CK: Nun, zu Schulzeiten hatte ich einen Klassenkameraden, der aus einer Roma-Familie stammte. Nach der Schule war ich öfter zum Essen bei dieser Familie. Sein Vater spielte Geige in einem Orchester, mein Freund war ein begnadeter Klarinettenspieler, was mich als Musikliebhaber besonders faszinierte. Ich wollte in meinem Buch mit den Vorurteilen gegenüber dem „fahrendem Volk“ brechen.

SME: Eine andere Gruppe kommt nicht so gut weg: eine Sekte. Du benennst sie nicht?

CK: Nein. Es könnte jede Form einer Sekte sein. Gefährlich sind sie alle. Wie schon erwähnt, ich bin kein reiner Unterhalter, sondern ein Geschichtenerzähler. Ich will meine Leser an meinen Gedanken teilhaben lassen und zum selbstständigen Denken anregen.

SME: Willst du polarisieren?

CK: Natürlich. Das vermisse ich in unserer heutigen Zeit. Welcher Autor lehnt sich denn noch auf? Wo gibt es Menschen, die sagen, was sie denken? Die Schriftsteller haben zu allen Zeiten die Hand in die Wunden der Gesellschaft gelegt, was ich in Deutschland zurzeit vermisse. Es gibt nur wenige Kabarettisten, die dieser Aufgabe gerecht werden und ernst zu nehmen sind. Alle anderen fallen unter den Begriff „Klamauk“.

SME: Das ist ein wirklich gelungener Schlusssatz. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Außer: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

CK: Es war mir ein Vergnügen.

Mehr über Claus Karst und seine bisher veröffentlichten Romane gibt es im www-Punkt zu entdecken:

Die Autorenhomepage

Literaturmagazin „WortArt“ im Bürgerradio

Claus Karst Autor bei Facebook

Oldigor Verlag

Seine veröffentlichten Romane bei Amazon

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