52 Bilder #5: Entzug

nummer5Ich sehe sie überall: auf den Straßen, in der Fußgängerzone, verbotenerweise auf dem Bahnsteig, während ich auf meinen Zug warte und sogar hier im Wald. Sie verhöhnen mich.

Ein plötzlicher Schwindel übermannt meinen Kopf – ich muss mich abstützen. Alles dreht sich – die Welt dreht sich um mich, ich drehe mich, in mir dreht sich alles um diese verdammten kleinen Dinger, die mir Linderung verschaffen könnten.

Ich presse meinen Kopf gegen die Rinde eines Baumes – die harte Schale des Waldbewohners lindert meinen inneren Schmerz. Es zerreißt mich, aber ich kämpfe.

Der vertraute Geruch wabert langsam durch die frühlingsfrische Februarluft in meine Nase. Ein explodierendes Feuerwerk der Gefühle weckt meine Lebensgeister. Die Augen geschlossen haltend, taste ich mich, wie ein Hund auf Fährtensuche, mit meiner Nase dem Duft entgegen. Ich spüre die Auf- und Abbewegung meiner Nasenflügel, wie sie sich riechend den Weg bahnen.

Der Geruch ist ganz nah – ich öffne die Augen. Eine junge Frau mit einem Hund an der Leine steht mit fragendem Blick vor mir. Mein Mund ist wie ausgedorrt – die Frage bleibt mir im Hals stecken. Sie schüttelt den Kopf und geht weiter. Ihr Kippe wirft sie achtlos auf den Waldboden. Sie qualmt noch.

(c) Sandra-Maria Erdmann

Das Bild gehört auch in dieser Woche zur Aktion „Story-Pics 2014“ von Always-Sunny und ist mein fünftes Wort-Bild für die humorvolle Kriminalgeschichte.

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