Perfektion mindert die Produktivität…

… jedenfalls in meinem Schreibprozess!

In meinen Anfängen habe ich Kurzgeschichten geschrieben. Das war, wie das Wort besagt, eine kurze, meist schmerzlose Angelegenheit. Kurzgeschichten flossen aus meinen Fingern über die Tastatur hinein in den Bildschirm. Kleine Änderungen, mal hier und da etwas kürzen, fertig. So eine Kurzgeschichte habe ich aus dem Hut gezaubert. Gut, sie war stilistisch nicht perfekt. Aber man lernt ja.

Und wie!

Mit jeder neu dazugelernten Regel ging mir ein Stück meiner Leichtigkeit verloren. Schreiben wurde plötzlich kompliziert, weil ich während des Schreibprozesses auf die richtige Zeitform, die Perspektive, die Show-don’t-tell-Regel oder auf die einzuhaltende Prämisse achten wollte. Jeden Satz habe ich überdacht. Jedes Wort so lange hin und her geschoben, bis ich daraus etwas Brauchbares zu Stande brachte.

Aber es fiel mir immer schwerer Geschichten zu verfassen.

Allein der erste Satz. Himmel noch eins! Daraus muss schließlich ein Hammer-Haken werden, der dem Leser im Kopf stecken bleibt, damit er die Geschichte nicht gleich wieder beiseite legt. Über so einen ersten Satz lässt sich gut und gern mal wochenlang nachdenken. Und bis dieser verflixte erste Satz den Weg aufs Papier findet, hält man die Idee der Geschichte schon nicht mehr für tragfähig. Und – zack – ab mit der Idee in den Papierkorb.

Ich weiß nicht, wie viele Ideen in den letzten Monaten im Papierkorb landen mussten, bevor ich den kleinen, nach Perfektion strebenden Mann in meinem Kopf zum Schweigen gebracht habe. Ein lieber Autorenkollege betitelte dieses Männlein als Inneren Zensor. Und genau der hindert mich in regelmäßigen Abständen, meine angestrebten Etappenziele zum Ende zu bringen.

img_20161102_154756.jpgAber es ist noch nicht vorbei! – Ich habe dem Inneren Zensor den Kampf angesagt.

Ich schreibe gerade die Erstfassung, Kollege! Die muss nicht perfekt sein, die muss erst einmal nur fertig werden. Und damit ich es nicht vergesse, klebt als Zensor-Stopper ein Post-it am Laptop.

Im zweiten Schritt wird die Geschichte bearbeitet und dazu bist DU wieder herzlich eingeladen. Aber so lange halte DICH von mir fern. Verstanden?!

Und nun muss ich weiter machen. Noch siebzehn Szenen bis zum langersehnten Ende.

 

 

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