Kleinstadtgeflüster# – Die Figuren stellen sich vor

Eine längere Geschichte oder gar einen Roman zu schreiben erfordert viel Geduld und vor allem unheimlich viel Disziplin in der Vorbereitung – mit beiden Attributen bin ich nicht besonders üppig bestückt. Darum habe ich mich auch entschlossen, euch an der Entstehung meiner Geschichte teilhaben zu lassen. Quasi als Alibi 😉

Im Laufe dieses Jahres werden sich meine Protagonisten im Kleinstadtgeflüster selbst vorstellen. Seit dem Schreibworkshop vor zwei Jahren zum Thema Figurenbau im Roman mit der Thriller-Autorin Kathrin Lange, schwirren diverse Figuren bei mir zu Hause herum, die lautstark ihre Daseinsberechtigung einfordern. Lange Zeit habe ich nicht gewusst, wohin ich sie stecken soll – der Keller ist vollgestellt mit Krempel, im Dachgeschoss wohnen meine Kids und im Kleiderschrank haben sie rebelliert. Irgendwann im Laufe des letzten Jahres entstand unser Wachtelstall im Garten – und da hinein habe ich sie gesetzt. Ehrlich. Dort fühlen sie sich wohl und haben plötzlich ein Eigenleben entwickelt!

Nach zwei harten Jahren weiß ich nun endlich, wie sich alle meine Figuren miteinander in einer längeren Geschichte verknüpfen lassen. Ihr könnt mir glauben, im Wachtelstall ging die Post ab, als ich ihnen von meinen Plänen erzählt habe. Natürlich wollte jede die Erste sein! Mit dem Problem kenne ich mich allerdings aus – schließlich bin ich Mutter von drei Kindern!

 

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52 Bilder-Geschichten #9: Sehnsuchtsblick hinauf

IMG_3424Kalt ist es. Scheißkalt und dunkel. Ich zittere. Warm wird mir leider davon nicht.
Ich wünsche mir, dort oben zu wohnen. Trutzig thronen die weißen Gemäuer auf dem felsigen Untergrund – die beiden Kirchtürme recken selbstherrlich ihre Schieferschindeln in den blauen Himmel. Herausfordernd hüpfen einige Sonnenstrahlen umher, umschmeicheln die stattlichen Mauern der Stadtkirche und kitzeln den Blechhahn auf dem Dach.
Zu mir verirrt sich selten ein Lichtstrahl. Unterhalb des Felsens, zwischen moosbewachsenen Kastanienbaumstämmen herrscht eintönige Tristes. Alles Licht wird von dem dunklen Bruchsteingebäude eingefangen.
»Ja, lache du. Lache nur!«, schreie ich ihm entgegen. Heraus kommt ein klägliches Krächzen. Der Wind trägt es davon.
Das Graubraun des alten Mauerwerks reflektiert meine Stimmung. Erneut wage ich einen Blick hinauf zur stattlichen Schönheit meines Gegenübers. Wie herrlich doch das Leben dort auf der anderen Seite wäre!

(c) Sandra-Maria Erdmann

Dieses Bild gehört zur Blog-Parade Story-Pics 2014 und wird als Wort-Bild in eine humorvolle Krimigeschichte eingeflochten.

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Mir fällt es immer noch schwer Geschichten aus der Perspektives eines „Dinges“ zu erzählen. Im letzten Jahr haben die „Waldstadtstifte – Autorenkreis aus Iserlohn“ jeweils eine Geschichte aus der Sicht eines Knopfes geschrieben. Da ich mit dieser Art von Schreibthema besonder Schwierigkeiten habe, werde ich mich in den nächsten Bildergeschichten mal etwas näher mit den verschiedenen Erzählperspektiven befassen.

52 Bilder-Geschichten #7: Gespräch unter Männnern

Nummer7

»Haste ihr die Kohle gegeben?«, fragte Timo. Ich schüttelte den Kopf, starrte auf die spärlich beleuchtete Straße und nahm einen tiefen Zug. Ich spürte, wie er mich entgeistert anstarrte.
»Sie sagt, das ist wie Auftragsmord.« Der Rauch füllte meine Lungen. Ich reichte Timo den Joint und pustete den süßlich duftenden Qualm in den kalten Februarhimmel.
»Alter, da haste jetzt aber ein Problem.«
»Wieso ich?«
»Warst doch dran beteiligt.«
»Ich habe damit nichts mehr zutun. Hab ihr ja meine Hilfe angeboten, hat se abgelehnt. Darum bin ich raus aus der Nummer, verstehste!«
»Jo, verstehe.« Timo spuckte geräuschvoll den hochgezogenen Rotz vor meine Füße. Er schüttelte den Kopf: »Scheiße, Alter, da haste jetzt echt’n Problem.«

 

(c) Sandra-Maria Erdmann

Das Bild gehört zur Blogparade Story-Pics 2014 von Always Sunny: Schaut mal HIER in meiner Kinderküche vorbei und seht, welche Worte bereits in meinen humorvollen Krimi dabei sind.

52 Bilder-Geschichten #6: Narben

Bernd und Sabine, für immer vereint – das stand nicht unter der Schnitzarbeit, aber in seinem Herzen trug er den Untertitel stets mit sich herum. Seit mehr als zwanzig Jahren. Jeden sechsten Februar ging er diesen – seinen und ihren – Baum besuchen. Er legte eine einzelne rote Rose an den Fuß des Stammes, setzte sich daneben und starrte in den wolkenverhangenen Himmel.

Ohne Titel-1Sabine war längst verschwunden – hatte es nicht ausgehalten in diesem Hundert-Seelen-Kaff. Es sei nicht seine Schuld, hatte sie gesagt. Ihr würde hier die Luft zum Atmen fehlen – das Leben, die Liebe, all diese Dinge hätte sie sich anders vorgestellt.  Dann hatte sie ihren Verlobungs-Ring abgestreift, ihren braunen Koffer genommen und war ins Taxi gestiegen. Bernd schluckte.

Der Schmerz veränderte sich mit den Jahren – so wie der Baum sich verändert hatte. Zurück blieb eine Narbe im Herzen – tief und wulstig.

(c) Sandra-Maria Erdmann

Das Bild gehört zur Blogparade Story-Pics 2014 von Always Sunny: Schaut mal HIER in meiner Kinderküche vorbei und seht, welche Wörter für meinen humorvollen Krimi dabei sind.

Schwierigkeiten mit der Überschrift

Die Überschrift einer Geschichte, eines Artikels oder eines Romans wird vom Leser als erstes wahrgenommen. Sie leitet das entsprechende Textprodukt ein, soll den Leser am besten sofort am Kragen packen und in die Geschichte hineinziehen, ohne den Inhalt vorwegzunehmen und damit die Spannung zu mindern. Gute Überschriften brechen die Erwartungen des Lesers und machen neugierig.

Das hört sich einfach an – es klingt auch logisch. Warum fällt es mir dann teilweise so schwer die Logik in die Tat umzusetzen? Ich gebe zu, mit Überschriften habe ich meine ganz eigenen Probleme. Oft grüble ich an den Titeln länger herum, als am Rest der Geschichte – meist mit mäßigem Erfolg.

So aber mal nicht

Ein Beispiel, wie es überhaupt gar nicht funktioniert, ist meine Tomaten-Bilder-Geschichte. Der Titel „Kommt alles anders“ sagt weder aus, worum es in etwa geht, noch macht er den Leser neugierig auf das Geschehen. Gibt es von euch vielleicht Verbesserungsvorschläge? Dann immer her damit!

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Auch die Bildergeschichte „Lydia“ besitzt einen nichtssagenden Titel – den Namen hat die Autorin, so macht es den Anschein, nur eingesetzt, weil ihr nichts besseres eingefallen ist. „Stimmt!“, sagt die Autorin und grübelt, wie sie diesem Titel-Problem am ehesten beikommen könnte.

Lesen und Lernen

Schreiben ist ein Handwerk, ohne Frage. Es gehört mehr dazu, als mit einer Portion Talent und einigen hundert Fans die Buch-Welt erobern zu wollen. Nur weil ich die Bohrmaschine bedienen kann, macht mich das noch nicht zum Hausmeister! Es gibt zahlreiche Schreibratgeber, die einem Autor helfen, sich in der Welt der Buchstaben zurecht zu finden: Sol Stein „Über das Schreiben“, Alexander Steele „Creative Writing – Romane und Kurzgeschichten schreiben“ oder auch Wie man einen verdammt guten Roman schreibt von James N. Frey.

Aber auch im Internet lässt sich das Autoren-Handwerkszeug erlernen:

www.anleitung-zum-schreiben.de

www.schreiblabor.com

Rhetorik und Literatur

Allerdings nützt alles nichts, wenn man weiß, wo im Bücherregal die Ratgeber stehen, wenn sie nicht gelesen und die angebotenen Hilfestellungen berücksichtigt werden. Darum werde ich mich nun in mein stilles Kämmerchen zurückziehen und die Titel meiner Kurzgeschichten neu überdenken.

Bis demnächst

52 Bilder-Geschichten #3: Nächstenliebe

Die Buslinie sechzehn brachte sie zur Endhaltestelle.
»Sie müssen jetzt aussteigen«, sagte der Herr hinter dem Lenkrad. »Ich mache dreißig Minuten Pause.« Hilde sah aus dem Fenster. Sie konnte sich nicht erinnern, hier jemals ausgestiegen zu sein.163
»Ich wollte zum Friedhof«, hörte sie ihre eigene Stimme, die ihr fremd in den Ohren klang.
»Ja. Wenn Sie gleich links den Weg entlang laufen, steuern Sie direkt drauf zu.« Der Herr wirkte ungehalten. Hilde erhob sich schwerfällig von ihrem Sitzplatz.
»Wann fahren Sie in die Stadt zurück?«
»Halbe Stunde.« Der Mann öffnete die Türen des Busses und kalte Januarluft strömte ins Innere. Hilde hielt den Mantelkragen vor ihrer Brust zusammen und stützte sich auf ihren Stock. Wackelig stieg sie aus dem Bus. Der Ort erschien ihr fremd. Hier konnte unmöglich der Friedhof sein. Zischend schloss sich die Fahrertür. Der eisige Wind blies ihr ins Gesicht. Nachdem sie einige Schritte gegangen war, hatte sie einen herrlichen Blick über die Stadt. Die kleinen Häuser lagen verschlafen am Hang, die Müllverbrennungsanlage leuchtete mit ihren bunten Schornsteinen aus der Ferne und die sanften Hügel des Sauerlandes erweckten einen seltsam beruhigenden Anblick.
Sie schlug den beschriebenen Weg ein. Die Straße verjüngte sich, je weiter sie ging. Der Asphalt wirkte brüchig und das weiß-rote Straßenschild verwirrte Hilde. Der Weg zum Friedhof sah in ihrer Erinnerung anders aus. Sie betrachtete die hohen Bäume am Straßenrand, den laubbedeckten Waldboden. Nirgendwo das Eingangsschild. Sie blickte zurück. Wo war sie bloß?
Am Waldrand entdeckte sie in kleines Haus, versteckt hinter Tannengrün und verwilderten Brombeerbüschen. Sie steuerte langsam darauf zu. Eine Frau – mit gelben Gummihandschuhen und einer Gartenschere bewaffnet – stand mitten im Gestrüpp. Als sie Hilde erblickte, lächelte sie.
»Guten Tag«, sagte die Frau.
»Hier geht es nicht zum Friedhof«, bemerkte Hilde. Die Frau schüttelte den Kopf. »Nein. Da sind sie falsch abgebogen.«
»Ich … aber … der Weg zurück …« Sie sah verunsichert umher. Die Frau zog ihre Gummihandschuhe aus und steckte die Gartenschere in ihren Parka.
»Soll ich ihnen helfen? Wollen Sie zum Friedhof?«
»Ich weiß es nicht. Ich muss zur Bushaltestelle. Der Bus fährt ja gleich wieder.«
»Kommen Sie, ich bringe Sie eben dorthin.« Die Frau lief um die Brombeerbüsche herum zu einem klapprigen Kleinwagen.
»Wie heißen Sie?«, fragte sie Hilde beim einsteigen.
Hilde überlegte. Die Frau zog ihre Stirn in Falten. »Soll ich Sie vielleicht lieber nach Hause bringen? Der Bus ist bestimmt schon abgefahren. Wohin müssen sie?« Die alte Dame blickte sie aus tiefen Augen an.
»Ich weiß es nicht mehr.«

52 Bilder-Geschichten #2: Leg dich nicht mit Lefty an

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„Bitte, bitte, lass mich runter, Lefty.“

„Du hast dich in mein Revier geschlichen, Joe. Das mag ich gar nicht“, antwortete das Erdmännchen mit dem dunklen Hut.

„Es war ein Versehen. Ich bin nur spazieren gegangen und dann war da plötzlich diese Mülltonne …“

„Schnautze, Joe!“ Lefty nickte seinen Begleitern zu, die das Seil in der Hand hielten. Stück für Stück glitt der Gefesselte nach unten, bevor er eine Handbreit vor Lefty zum Stehen kam.

„Ich wusste doch, du hast ein Herz“, schmeichelte der Gefesselte. Lefty grinste. Sein linkes Auge zuckte. Unvermittelt schubste er Joe an, dass dieser durch die Luft schwebte.

„Ach nö.“

„Du hast dich mit dem Falschen angelegt, Joe! Los, hochziehen und festmachen“, befahl der Hutträger.

„Lefty, tue das nicht“, bettelte Joe.

„Schnautze, du Wicht.“

„Du kannst mich doch hier jetzt nicht so hängen lassen!“ Leftys Begleiter johlten. Sie banden das Seil an einem Laternenmast fest. Joe baumelte hoch über ihren Köpfen.

„Lass dir das eine Lehre sein, Joe. Niemand legt sich mit Lefty Erdmann an.“ Er tippte zum Gruß an seinen dunklen Hut. „So, Jungs, jetzt geht es zum Mittagessen. Mama hat Spaghetti gekocht.“

(c) Sandra-Maria Erdmann

Zwölf Stunden Zugfahrt und einen Plot später

Zug fahren hat viel Positives: man kann die Landschaft bewundern, anderer Leute Gespräche belauschen, vielleicht ein längst überfälliges Buch lesen. Auf meiner Fahrt von Cottbus nach Iserlohn habe ich all dieses getan. Schließlich hatte ich fast zwölf Stunden Zeit, denn unser ursprünglich geplanter Zug viel wegen technischer Defekte aus und wir wurden von Leipzig aus quer durch Deutschland umgeleitet.  Eine Abenteuerfahrt der etwas anderen Art, aber die Nintendos waren zum Glück aufgeladen.

Für mein NaNoWriMo-Projekt habe ich also im ICE von Leipzig nach Wiesbaden mit Zwischenstopp in Frankfurt/Flughafen meine Geschichte durchgeplottet und bin ziemlich zufrieden.

Mein Protagonist war mit meinen Vorschlägen für den Fortlauf der Geschichte einverstanden und hat kein eigenwilliges Eigenleben entwickelt. Allerdings hat er sich ungeplanterweise in eine nette Dame verliebt – was ich mit dieser Information seinerseits anfange, weiß ich noch nicht. Eigentlich hat er dafür gar keine Zeit und wir wissen doch alle, die wir mal irgendwann verliebt waren, was die Liebe aus einem rational denkenden Menschen macht … Vielleicht schaffe ich es noch, ihm diese Liebesgeschichte auszureden. Das Mädel ist nichts für ihn!

Noch einen Tag, bis NaNoWriMo – ich freue mich!

Nicht am Ende der Welt – der Autor Claus Karst im Interview

Claus Karst, Autor aus Hemer

Claus Karst, Autor aus Hemer

Der gebürtige Essener und in seiner Wahlheimat Hemer ansässige Autor Claus Karst ist ein kritischer Zeitgeist. Mit mir hat er sich im Café Ellen über sich, seinen neuen Roman „Finisterre“ und über neue Projekte unterhalten.

Alter: 73,9 (biologisch)

Beruf: technischer Baukaufmann

Für einen Tag wäre ich gern einmal: Bundeskanzler

Dort arbeite ich am liebsten: In meiner Schreibwerkstatt

Morgens um sechs: Schlafe ich tief und fest, manchmal träume ich auch

Lieblingszitat: “Niemals sich beugen, immer sich zeigen.” aus Goethes “Beherzigung”

Dieses Buch lese ich gerade: “Meine deutsche Mutter” von Niklas Frank

Die drei obligatorischen Dinge für eine einsame Insel: ausreichend Lektüre, Laptop, meine Familie

***

SME: Guten Morgen, Claus. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Vor allem, weil ich diesmal die Fragen stellen darf.

CK (lacht): Wie lange ist das her, dass du in meiner Sendung „WortArt“ warst?

SME: Fast ein halbes Jahr, würde ich sagen. Und damals hast du mich in deiner Radiosendung ganz schön ins Schlittern gebracht. Wie bist du als Autor eigentlich in den Lokalfunk gekommen?

CK: Es ergab sich zufällig. Das Literaturformat im Bürgerradio wurde aus persönlichen Gründen 2010 vakant und ich, der ich dort mehrmals Gast war, gefragt, ob ich Lust hätte, das Format zu übernehmen. Ohne lange zu überlegen, habe ich JA gesagt. Den Titel WortArt habe ich nach der Übernahme geprägt.

SME: Du hast regelmäßig junge aufstrebende Autoren und Autorinnen zu Besuch. Siehst du dich selbst als eine Art Mentor?

CK: Ja, das betrachte ich durchaus auch als meine Aufgabe. Wir haben im Märkischen Kreis eine große Anzahl an sehr talentierten Autorinnen und Autoren, die noch keiner oder nur ein kleines Publikum kennt. Ich betrachte meine Sendung als Plattform, um auf solche verborgenen Talente aufmerksam zu machen. Aber die Möglichkeiten in Iserlohn sind vielfältig. Nehmen wir nur einmal das Literaturhotel. Hier finden regelmäßig Lesungen statt. Auch ich lese regelmäßig dort. Aber auch in der Stadtbücherei oder hier, im Café Ellen, gibt es regelmäßig Lesungen.

SME: Irgendwie läuft trotzdem vieles auf das Literaturhotel hinaus. Das ist eine besondere Bereicherung für unsere Stadt. Würdest du sagen, speziell Iserlohn und der Märkische Kreis haben einen ganz aparten Reiz für Autoren? Sind wir hier im Kreis besonders kreativ?

CK: Das Hotel ist schon eine Besonderheit. Es ist sozusagen einzigartig in Deutschland und es erhebt einen hohen Anspruch an die Autorenschaft, aber auch an seine Besucher. Ich selbst treffe mich regelmäßig mit meiner Literaturgruppe im Hotel. Wir nennen uns „Das Literarische Dutzend“. Beteiligt sind neben zehn heimischen Autoren auch einer aus Freudenberg und ein korrespondierendes Mitglied aus Bamberg.

SME: Ihr trefft euch zum Schreiben?

CK: Unter anderem. Wir unterstützen uns gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus, halten aber auch regelmäßig Lesungen im Literaturhotel. Die nächste ist übrigens am 14. Juni. Dazu eine herzliche Einladung.

SME: Danke. Das werde ich mir vormerken. Du bist aber nicht immer Schriftsteller gewesen. Wie kam es zu diesem Umstand?

CK: Ich selbst war im Herzen immer ein Künstler, habe Kabarett gemacht, Theater gespielt und in einem Madrigal-Chor gesungen. Allerdings war mein Vater der Meinung, ich solle einen vernünftigen Beruf erlernen, darum bin ich Baukaufmann geworden. Als ich in den vorzeitigen Ruhestand gehen konnte, begann ich meine Geschichten aufzuschreiben.

SME: Da entstand dein erster Roman?

CK: Ja, den ersten Roman „Treffpunkt Hexeneiche“ zu schreiben, war mir ein inneres Bedürfnis und der eigentliche Grund, warum ich mit dem literarischen Schreiben begonnen habe. Darin greife ich viele Dinge aus meiner eigenen Lebensgeschichte auf – auch in Bezug auf die Nazi-Diktatur. Diesen Roman habe ich mit viel Herzblut geschrieben. Leider ist dieser nur in einem Kleinverlag erschienen. Der Verlag hat sich wenig um die Verbreitung gekümmert und ich war einfach noch zu frisch im Geschäft, als dass ich alles überblicken konnte, was mit der Veröffentlichung eines Buches auf mich zukam.

SME: Bei „Finisterre“ ist das anders. Wie bist du an den Oldigor Verlag gekommen.

CK (guckt verwundert)

SME: Doofe Frage?

CK (lacht): Ich stelle diese doofen Fragen ja auch immer… Im Ernst, durch Mundpropaganda. Wir Autoren empfehlen auch schon mal den einen oder anderen Kollegen. Aber das ist eher die Ausnahme.

SME: Über Wochen in der Bestseller-Liste des Oldigor Verlags vertreten und in der Hemeraner Buchhandlung ein Kassenschlager: Wie erklärst du dir dieses Phänomen?

CK: Das liegt sicherlich auch am Genre. „Finisterre“ ist als Kriminalroman beworben worden, und zurzeit sind Krimis wohl die besten Verkaufsgaranten. Ich bin eigentlich eher ein Geschichtenerzähler. Auch „Finisterre“ ist aus einer sehr viel kürzeren Erzählung heraus entstanden. Aber die Handlung hat den Verlag überzeugt, dass sie mich baten, einen Roman daraus zu entwickeln.

SME: Und das mit Erfolg. Dein zweiter Roman „Finisterre“ ist im Dezember letzten Jahres beim Oldigor-Verlag erschienen. Du hast zwei Romane veröffentlicht, diverse Anthologien mit deinen Geschichten bestückt. Was ist nun in Planung?

CK: Nun, ich schreibe derzeit an der Fortsetzung von „Finisterre“. Allerdings werden dort nur noch wenige Figuren aus dem ersten Teil auftreten. Außerdem stehe ich mit dem Oldigor-Verlag in Verhandlung für ein Buch mit kurzen Geschichten. Ich selbst mag es, vor dem Schlafengehen eine Geschichte bis zum Ende zu lesen. Das gelingt mit einem Fünfhundertseiten Roman in den seltensten Fällen. Und ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen ein solches Leseverhalten an den Tag legen.

SME: Wir dürfen gespannt sein. Ohne dem Inhalt deines Romans etwas Wesentliches vorweg zunehmen: Es wird mystisch. Besonders durch das Auftreten zweier Frauen aus der Volksgruppe der Roma. Gab es einen speziellen Grund dafür?

CK: Nun, zu Schulzeiten hatte ich einen Klassenkameraden, der aus einer Roma-Familie stammte. Nach der Schule war ich öfter zum Essen bei dieser Familie. Sein Vater spielte Geige in einem Orchester, mein Freund war ein begnadeter Klarinettenspieler, was mich als Musikliebhaber besonders faszinierte. Ich wollte in meinem Buch mit den Vorurteilen gegenüber dem „fahrendem Volk“ brechen.

SME: Eine andere Gruppe kommt nicht so gut weg: eine Sekte. Du benennst sie nicht?

CK: Nein. Es könnte jede Form einer Sekte sein. Gefährlich sind sie alle. Wie schon erwähnt, ich bin kein reiner Unterhalter, sondern ein Geschichtenerzähler. Ich will meine Leser an meinen Gedanken teilhaben lassen und zum selbstständigen Denken anregen.

SME: Willst du polarisieren?

CK: Natürlich. Das vermisse ich in unserer heutigen Zeit. Welcher Autor lehnt sich denn noch auf? Wo gibt es Menschen, die sagen, was sie denken? Die Schriftsteller haben zu allen Zeiten die Hand in die Wunden der Gesellschaft gelegt, was ich in Deutschland zurzeit vermisse. Es gibt nur wenige Kabarettisten, die dieser Aufgabe gerecht werden und ernst zu nehmen sind. Alle anderen fallen unter den Begriff „Klamauk“.

SME: Das ist ein wirklich gelungener Schlusssatz. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Außer: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

CK: Es war mir ein Vergnügen.

Mehr über Claus Karst und seine bisher veröffentlichten Romane gibt es im www-Punkt zu entdecken:

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