Tschüssikowski – Auf Nimmerwiedersehen und andere Irrtümer

Am 22. Mai 2017 ist es soweit: Die Tschüssikowski-Anthologie des Brighton-Verlags erblickt das Licht der Welt! Dreißig AutorInnen, dreißig Geschichten – eine davon ist von mir :-))) Ihr dürft gespannt sein!

Man kann von so vielem Abschied nehmen…

Tschüssikowski 3D

… von einem lästigen Ehemann, dem stressigen Job, einem alten Koffer, von der Heimat, geliebten Menschen, schlechten Gewohnheiten oder einer Schuld, und natürlich auch vom Leben …
„Tschüss“ heißt es dann, oder ganz locker: „Tschüssikowski.“

Mit dieser Sammlung bieten wir Ihnen brillante Kurzgeschichten und Gedichte zu dem Thema, geschrieben von bekannten Autorinnen und Autoren sowie talentierten Neuentdeckungen.
Kommen Sie mit und nehmen Sie für einen Moment Abschied vom Alltag. Lassen Sie sich einfangen von spannenden Krimis, berührenden Emotionen, tiefgreifenden Innenansichten und originellen Dialogen.

Brigthon Verlag

ISBN: 978-3-95876-385-2
VP: 12,90€
VÖ: 22.05.2017

52 Bilder-Geschichten #7: Gespräch unter Männnern

Nummer7

»Haste ihr die Kohle gegeben?«, fragte Timo. Ich schüttelte den Kopf, starrte auf die spärlich beleuchtete Straße und nahm einen tiefen Zug. Ich spürte, wie er mich entgeistert anstarrte.
»Sie sagt, das ist wie Auftragsmord.« Der Rauch füllte meine Lungen. Ich reichte Timo den Joint und pustete den süßlich duftenden Qualm in den kalten Februarhimmel.
»Alter, da haste jetzt aber ein Problem.«
»Wieso ich?«
»Warst doch dran beteiligt.«
»Ich habe damit nichts mehr zutun. Hab ihr ja meine Hilfe angeboten, hat se abgelehnt. Darum bin ich raus aus der Nummer, verstehste!«
»Jo, verstehe.« Timo spuckte geräuschvoll den hochgezogenen Rotz vor meine Füße. Er schüttelte den Kopf: »Scheiße, Alter, da haste jetzt echt’n Problem.«

 

(c) Sandra-Maria Erdmann

Das Bild gehört zur Blogparade Story-Pics 2014 von Always Sunny: Schaut mal HIER in meiner Kinderküche vorbei und seht, welche Worte bereits in meinen humorvollen Krimi dabei sind.

52 Bilder-Geschichten #6: Narben

Bernd und Sabine, für immer vereint – das stand nicht unter der Schnitzarbeit, aber in seinem Herzen trug er den Untertitel stets mit sich herum. Seit mehr als zwanzig Jahren. Jeden sechsten Februar ging er diesen – seinen und ihren – Baum besuchen. Er legte eine einzelne rote Rose an den Fuß des Stammes, setzte sich daneben und starrte in den wolkenverhangenen Himmel.

Ohne Titel-1Sabine war längst verschwunden – hatte es nicht ausgehalten in diesem Hundert-Seelen-Kaff. Es sei nicht seine Schuld, hatte sie gesagt. Ihr würde hier die Luft zum Atmen fehlen – das Leben, die Liebe, all diese Dinge hätte sie sich anders vorgestellt.  Dann hatte sie ihren Verlobungs-Ring abgestreift, ihren braunen Koffer genommen und war ins Taxi gestiegen. Bernd schluckte.

Der Schmerz veränderte sich mit den Jahren – so wie der Baum sich verändert hatte. Zurück blieb eine Narbe im Herzen – tief und wulstig.

(c) Sandra-Maria Erdmann

Das Bild gehört zur Blogparade Story-Pics 2014 von Always Sunny: Schaut mal HIER in meiner Kinderküche vorbei und seht, welche Wörter für meinen humorvollen Krimi dabei sind.

52 Bilder #5: Entzug

nummer5Ich sehe sie überall: auf den Straßen, in der Fußgängerzone, verbotenerweise auf dem Bahnsteig, während ich auf meinen Zug warte und sogar hier im Wald. Sie verhöhnen mich.

Ein plötzlicher Schwindel übermannt meinen Kopf – ich muss mich abstützen. Alles dreht sich – die Welt dreht sich um mich, ich drehe mich, in mir dreht sich alles um diese verdammten kleinen Dinger, die mir Linderung verschaffen könnten.

Ich presse meinen Kopf gegen die Rinde eines Baumes – die harte Schale des Waldbewohners lindert meinen inneren Schmerz. Es zerreißt mich, aber ich kämpfe.

Der vertraute Geruch wabert langsam durch die frühlingsfrische Februarluft in meine Nase. Ein explodierendes Feuerwerk der Gefühle weckt meine Lebensgeister. Die Augen geschlossen haltend, taste ich mich, wie ein Hund auf Fährtensuche, mit meiner Nase dem Duft entgegen. Ich spüre die Auf- und Abbewegung meiner Nasenflügel, wie sie sich riechend den Weg bahnen.

Der Geruch ist ganz nah – ich öffne die Augen. Eine junge Frau mit einem Hund an der Leine steht mit fragendem Blick vor mir. Mein Mund ist wie ausgedorrt – die Frage bleibt mir im Hals stecken. Sie schüttelt den Kopf und geht weiter. Ihr Kippe wirft sie achtlos auf den Waldboden. Sie qualmt noch.

(c) Sandra-Maria Erdmann

Das Bild gehört auch in dieser Woche zur Aktion „Story-Pics 2014“ von Always-Sunny und ist mein fünftes Wort-Bild für die humorvolle Kriminalgeschichte.