Das Schönste am Schreiben – die Recherche Teil 2: Lebendiger Lebenslauf

Was wäre ein Romanheld ohne einen spannenden Lebenslauf? Nichts, als ein blasser Charakter auf dem Papier. Protagonisten müssen leben und atmen, um den Leser zu fesseln.

Hier kommt nun die Autorin ins Spiel. Nach Herzenslust werden die Lebensläufe der Protagonisten frisiert, bis diese auf die Helden der Geschichte zugeschnitten sind. Und nichts macht mehr Spaß, als Lebensläufe erfinden.

Aus dem Nähkästchen!

Der Name für meinen Protagonisten steht. In akribischer Kleinstarbeit habe ich für den jungen Mann den Namen Xhavit Berbati ausgesucht, ihm einen Geburtstag hinzugefügt und seine äußeren Merkmale zu Papier gebracht.

Für diesen Punkt der Charakteristik suche ich mir, dem Internet sei Dank, Bilder, die mir helfen meinen Protagonisten zu beschreiben. Falls ihr jetzt ein Bild zu diesem Namen im Internet sucht: Meine Protagonisten werdet ihr dort nicht finden 😉

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Neben den Äußerlichkeiten, dem sozialen Umfeld und der persönlichen Geschichte meines Characters, lässt ihn die Sprache/ das Verhalten im Roman erst wirklich lebendig werden. Wie redet er? Mit den Händen, mit dem ganzen Körper? Welche Gesten zeichnen ihn aus und helfen dem Leser beim Widererkennen? Hat er einen Akzent? Einen Sprachfehler? Was sagt er am liebsten? Welche charakteristischen Worte nutzt er? Worüber spricht er mit Freunden und wie gibt er sich privat?

Der Xhavit Berbati aus meiner Geschichte ist ein siebzehnjähriger Kerl, geboren und aufgewachsen in Deutschland, aber mit albanischem Migrationshintergrund. Er steht zwischen den Stühlen, nicht ganz Albaner, nicht ganz Deutscher. Wie setze ich das in der Geschichte um? Ich habe mich entschlossen, den Kerl auf Albanisch fluchen zu lassen. Die passenden Schimpfwörter  habe ich dieser Seite entnommen. Ich werde sie wohl oder übel demnächst von meinen Schülern mal auf Richtigkeit überprüfen lassen 😉

Wie ihr seht, sind die Spalten oben noch gähnend leer. Damit sich das ändert, werde ich jetzt an meiner Personenbeschreibung weiterarbeiten. Mein Protagonist bekommt nämlich noch einen Gegenpart, der auch einen eigenen Lebenslauf benötigt. Also, packen wir’s an!

 

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Das Schönste am Schreiben – die Recherche Teil 1: Namensfindung

Das aktuelle Romanmanuskript ist fertig – Zeit, um mit dem nächsten zu beginnen.

Am Anfang steht die Recherche. Meine liebste Lieblingsbeschäftigung, weil ich dabei nicht über Rechtschreibregeln, Grammatik oder den richtigen Erzählton nachdenken muss. Recherchieren ist Entspannung pur.

Die Idee für mein nächstes Projekt geistert mir schon lange im Kopf herum. Immer wieder musste ich mich während der Schreibphase des letzten Romans daran erinnern, nicht gedanklich vorzugreifen und im aktuellen Thema zu bleiben. Damit ist jetzt Schluss. Mein „Hahn ist tot“ liegt derzeit zum Testlesen in verantwortungsvollen Händen. Die Zeit des Wartens kann ich nun endlich mit der Recherche meines nächsten Romanprojekts füllen.

Wie finde ich einen passenden Namen für meine Protagonisten?

Als Jäger und Sammler habe ich mir einen Ordner angelegt, in dem ich – das hört sich sicher seltsam an – die Todes- und Geburtsanzeigen der hiesigen Tageszeitung aufbewahre. Auf der Suche nach regionalen Namen hilft das ungemein. Auch die Namen der Abiturienten, die in der Zeitung veröffentlicht werden, geben manchmal den entscheidenden Ausschlag.

Wer auf Namenssuche für einen Protagonisten geht, kann sich auch im Spam-Ordner seines Mailpostfaches hervorragend bedienen. Zu irgendwas müssen die ganzen Spams ja schließlich gut sein.

Namensforschung für Autoren?

Auf den folgenden Seiten lassen sich besonders Familiennamen recherchieren, darüber hinaus geben Übersichtskarten Auskunft über die Verteilung des entsprechenden Namens.

Die Seite Geneanet hilft bei der Suche nach dem Ursprung eines Namens und greift auf Datenbanken bis 1500 zurück. Ich habe das mal für meinen Nachnamen im Jahr 2017 erstellt. Leider muss man sich nach einigen Seitenklicks registrieren. Ist aber kostenlos.

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Hier zum Vergleich der Nachname Erdmann um 1600. Witziges Spielzeug, aber auch ein interessantes Tool, um Nachnamen mit Regionen zu verbinden. Wer international schreibt, findet auf dieser Seite dann auch die internationale Verteilung. Ihr glaubt nicht, wo ich den Nachnamen Erdmann noch überall gefunden habe. 🙂

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Ähnlich aufgebaut ist die Seite verwandt.de. Auf  GenWiki gibt es einen Überblick über verschiedenen Datenbanken und Namensforschungsprojekte. Wer Spaß an Statistiken hat, wird die Seite Namespedia.com lieben.

Jetzt wünsche ich euch fröhliches Recherchieren und viel Erfolg auf der Suche nach dem passenden Namen für euren Protagonisten.

Papyrus-Autor-Schulung bei den „Waldstadtstiften“ – Durchblick inclusive

Seit etwas über ein Jahr schreibe ich meine Texte, Kurzgeschichten und Berichte mit dem Autorenprogramm Papyrus Autor. Mittlerweile habe ich mir das neuste Update besorgt. Ich kann ein neues Dokument öffnen und weiß, wie ich die Stilanalyse zum freien Schreiben deaktivieren kann, damit ich im Schreibfluss nicht ständig durch grüne, rosafarbende und lilaunterstrichene Worte abgelenkt werde. Und doch gibt es noch viele Funktionen, die mir (weil ich so ungern Handbücher lese) verschlossen waren.

Waldstadtstifte-Treffen zur Papyrus-Schulung genutzt

Ein dreifaches „HIP, HIP, HURRA“ an Andreas für die Kurzschulung am Rosenmontag – ganz ohne Helleau und Allehaf! Ein umfangreiches Schreibprogramm wie Papyrus lässt sich nämlich nicht eben zwischen Mittagspause und Kaffeekränzchen durchschauen. Jede Einstellung des Schreibprogramms, die Stilanalyse sowie der persönliche Arbeitsmodus kann auf die Bedürfnisse eines jeden Einzelnen abgestimmt und zugeschnitten werden. Schreiben muss man allerdings schon noch allein. Über meine neu entdeckten Erkenntnisse werde ich hier zwischendurch berichten, damit auch andere, die zu faul sind das Handbuch zu lesen 😉 den Durchblick bekommen.

Vom Schreibprogramm erzogen

Mein Hang zu Füllwörtern dürfte dem einen oder anderen Leser meiner Beiträge und Blogs sicherlich nicht entgangen sein. Ich mag diese Wörter! In Kurzgeschichten verzichte ich mittlerweile aber freiwillig darauf – Papyrus hat mich quasi erzogen! Ob das nun gut oder schlecht ist, mag der Leser entscheiden. Immerhin gehören manche Füllsel einfach dazu – meist sogar zum Stil eines Autors. Ich gebe zu, meine erste Zeit mit diesem Schreibprogramm war gewöhnungsbedürftig. Allem voran, weil mein Schreibstil nicht zu Papyrus passte.  😉  Trotz aller Startschwierigkeiten kann ich das Schreibprogramm für Autoren und all jene, die es werden wollen, nur empfehlen.

Viele Schreibübungen liegen vor mir

In diesem Jahr möchte ich also meine Zeit bewusst den Schreibübungen widmen, bevor ich mich an ein neues Projekt heranwage. Der Mutter-Kind-Kur-Ratgeber ist soweit fertig geschrieben, lektoriert, korregiert und fast fertig gesetzt. Nun wartet er nur  noch auf den Startschuss vom Fant-Verlag, bevor es in die Buchläden geht. Bis dahin werde ich mich in meine Schreibstube zurückziehen. Wir lesen uns.

Schreiben im November – fast unmöglich!

Der November ist für mich, was Schreiben betrifft, der schwierigste Monat. Darum habe ich auch in diesem Jahr mein NaNoWriMo wieder nicht gepackt. Warum muss diese Aktion auch gerade in diesem Monat stattfinden?

Nach Sankt Martin und dem Geburtstag meiner Großen, kommen die jährlichen Kinderartzuntersuchungen, Elternstammtische, Elternratssitzungen und die ersten vorweihnachtlichen Bastelaktionen stets zwischen meinen Schreibtisch und mich. Was für eine Tragödie! Vielleicht starte ich im Januar meinen eigenen NaNoWriMo, denn dann ist meist tote Hose im Hause E.

Außerdem steckt mein Mutter-Kind-Kur-Ratgeber gerade in der letzten heißen Phase des Lektorates. Auch hierfür habe ich mehr Zeit benötigt, als mir lieb war. Aber dieses Projekt hat eben Vorrang und soll perfekt nahezu werden.

Und weil ich so ungern NEIN sage, habe ich mich auch in diesem Jahr wieder für die Teilnahme am „Lebendigen Adventskalender“ unseres Stadtteils angemeldet. Dafür möchte ich eine kleine Geschichte schreiben, die zwar in meinem Kopf schon existiert, aber sich noch nicht wirklich aufs Papier traut. So ist das eben manchmal mit den kleinen Geschichten.

Wie bereite ich mich auf NaNoWriMo richtig vor?

Nur noch wenige Tage, bis der National Novel Writing Month erwartungsvoll vor der Tür steht und um Einlass bittet. Meine diesjährige Teilnahme habe ich im Kopf beschlossen und werde sie mit Hilfe meiner Tastatur auch vollenden. Aber so richtig vorbereitet bin ich noch nicht.

Was fehlt? Nun, die Idee steht, die Personen sind seit Monaten anwesend und blockieren mal das Bad, mal die Küche und nächtigen im Büro (ihr solltet sehen, wie es dort aussieht …). Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass auch diesmal nach 10.000 Worten Schluss ist.

Was mir fehlt ist eindeutig ein funktionierender Plan: Wann schreibe ich? Wie kann ich meinen Tag so strukturieren, dass die zusätzliche Schreibzeit nicht den Rahmen des Möglichen sprengt oder meine Aufgaben als Familienmanagerin negativ beeinflusst? Und vor allem, wie halte ich mir Karl-Heinz vom Hals? Nein, nicht meinen Gatten, sondern meinen Schweinehund!

Ich werde tief in mich  hineinhorchen, einige Yoga-Übungen machen, noch einen Kaffee trinken und dabei ein ordentliches NaNoWriMo-Konzept ausarbeiten. Noch vierzehn Tage. Der Countdown läuft …

 

Das schönste am Schreiben ist die Recherche!

Jeder Autor weiß: bevor es ans Schreiben geht, muss recherchiert werden. Und das am besten gründlich. Nicht nur, damit im Roman hinterher alles stimmig ist und die geschriebenen Szenen nicht an der Wirklichkeit vorbei rauschen, sondern auch, damit man sich als Autor tief hineinfühlen kann in seinen Protagonisten.

Für mein neues christliches Schreib-Projekt – einen zeitlich begrenzten Rahmen habe ich mir nicht gesteckt – suche ich die Freiheit auf zwei Rädern. Fahrrad fahren war gestern, heute steige ich auf motorisierte Zweiräder um.

Mein Protagonist Thomas Bruckner ist krisengeplagter Christ und leidenschaftlicher Motorradfahrer. Da liegt der Hund begraben, denn seine Schöpferin fährt ausschließlich Auto und Fahrrad! Nun kann man selbst die ungebremste Fahrt mit dem Bike von einem Berg hinab ins Tal nicht mit dem Gefühl auf einem Motorrad vergleichen, darum brauche ich die uneingeschränkte Selbsterfahrung.

„Kein Problem“, meinte ein Bekannter kürzlich. „Komm einfach vorbei, dann fahren wir ne Runde.“

Gesagt, aber nicht getan. Leider ist bei seiner Maschine der TÜV abgelaufen. Dumm, gelaufen. Außerdem war es die falsche Maschine, wie ich feststellen durfte. Thomas Bruckner, mein Romanheld, fährt nämlich eine Honda GL 1500/ F6C Valkyrie – lässig und mit toller Soundkulisse.

„Ach so, sag das doch gleich!“, meinte dieser Bekannte dann, als er mir die technischen Details seiner Enduro erklärt hatte. „Ich kenne da jemanden mit so einer Maschine.“

Und dann wurde telefoniert, erklärt und ein Termin vereinbart. Und im Frühjahr dann, wenn die Temperaturen beim Fahren wieder oberhalb des Gefrierpunktes angelangt sind, werde ich es mir auf dem Soziusplatz bequem machen und (die wehenden Haare unter einem Helm versteckend) an einem Biker-Gottesdienst teilnehmen.

Vielleicht überlegt sich Bruckner ja noch, auf ein Auto umzusteigen. Ich hätte Lust mal im Cabrio zu fahren – mit wehenden Haaren der Sonne entgegen – oder so …

Nicht am Ende der Welt – der Autor Claus Karst im Interview

Claus Karst, Autor aus Hemer

Claus Karst, Autor aus Hemer

Der gebürtige Essener und in seiner Wahlheimat Hemer ansässige Autor Claus Karst ist ein kritischer Zeitgeist. Mit mir hat er sich im Café Ellen über sich, seinen neuen Roman „Finisterre“ und über neue Projekte unterhalten.

Alter: 73,9 (biologisch)

Beruf: technischer Baukaufmann

Für einen Tag wäre ich gern einmal: Bundeskanzler

Dort arbeite ich am liebsten: In meiner Schreibwerkstatt

Morgens um sechs: Schlafe ich tief und fest, manchmal träume ich auch

Lieblingszitat: “Niemals sich beugen, immer sich zeigen.” aus Goethes “Beherzigung”

Dieses Buch lese ich gerade: “Meine deutsche Mutter” von Niklas Frank

Die drei obligatorischen Dinge für eine einsame Insel: ausreichend Lektüre, Laptop, meine Familie

***

SME: Guten Morgen, Claus. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Vor allem, weil ich diesmal die Fragen stellen darf.

CK (lacht): Wie lange ist das her, dass du in meiner Sendung „WortArt“ warst?

SME: Fast ein halbes Jahr, würde ich sagen. Und damals hast du mich in deiner Radiosendung ganz schön ins Schlittern gebracht. Wie bist du als Autor eigentlich in den Lokalfunk gekommen?

CK: Es ergab sich zufällig. Das Literaturformat im Bürgerradio wurde aus persönlichen Gründen 2010 vakant und ich, der ich dort mehrmals Gast war, gefragt, ob ich Lust hätte, das Format zu übernehmen. Ohne lange zu überlegen, habe ich JA gesagt. Den Titel WortArt habe ich nach der Übernahme geprägt.

SME: Du hast regelmäßig junge aufstrebende Autoren und Autorinnen zu Besuch. Siehst du dich selbst als eine Art Mentor?

CK: Ja, das betrachte ich durchaus auch als meine Aufgabe. Wir haben im Märkischen Kreis eine große Anzahl an sehr talentierten Autorinnen und Autoren, die noch keiner oder nur ein kleines Publikum kennt. Ich betrachte meine Sendung als Plattform, um auf solche verborgenen Talente aufmerksam zu machen. Aber die Möglichkeiten in Iserlohn sind vielfältig. Nehmen wir nur einmal das Literaturhotel. Hier finden regelmäßig Lesungen statt. Auch ich lese regelmäßig dort. Aber auch in der Stadtbücherei oder hier, im Café Ellen, gibt es regelmäßig Lesungen.

SME: Irgendwie läuft trotzdem vieles auf das Literaturhotel hinaus. Das ist eine besondere Bereicherung für unsere Stadt. Würdest du sagen, speziell Iserlohn und der Märkische Kreis haben einen ganz aparten Reiz für Autoren? Sind wir hier im Kreis besonders kreativ?

CK: Das Hotel ist schon eine Besonderheit. Es ist sozusagen einzigartig in Deutschland und es erhebt einen hohen Anspruch an die Autorenschaft, aber auch an seine Besucher. Ich selbst treffe mich regelmäßig mit meiner Literaturgruppe im Hotel. Wir nennen uns „Das Literarische Dutzend“. Beteiligt sind neben zehn heimischen Autoren auch einer aus Freudenberg und ein korrespondierendes Mitglied aus Bamberg.

SME: Ihr trefft euch zum Schreiben?

CK: Unter anderem. Wir unterstützen uns gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus, halten aber auch regelmäßig Lesungen im Literaturhotel. Die nächste ist übrigens am 14. Juni. Dazu eine herzliche Einladung.

SME: Danke. Das werde ich mir vormerken. Du bist aber nicht immer Schriftsteller gewesen. Wie kam es zu diesem Umstand?

CK: Ich selbst war im Herzen immer ein Künstler, habe Kabarett gemacht, Theater gespielt und in einem Madrigal-Chor gesungen. Allerdings war mein Vater der Meinung, ich solle einen vernünftigen Beruf erlernen, darum bin ich Baukaufmann geworden. Als ich in den vorzeitigen Ruhestand gehen konnte, begann ich meine Geschichten aufzuschreiben.

SME: Da entstand dein erster Roman?

CK: Ja, den ersten Roman „Treffpunkt Hexeneiche“ zu schreiben, war mir ein inneres Bedürfnis und der eigentliche Grund, warum ich mit dem literarischen Schreiben begonnen habe. Darin greife ich viele Dinge aus meiner eigenen Lebensgeschichte auf – auch in Bezug auf die Nazi-Diktatur. Diesen Roman habe ich mit viel Herzblut geschrieben. Leider ist dieser nur in einem Kleinverlag erschienen. Der Verlag hat sich wenig um die Verbreitung gekümmert und ich war einfach noch zu frisch im Geschäft, als dass ich alles überblicken konnte, was mit der Veröffentlichung eines Buches auf mich zukam.

SME: Bei „Finisterre“ ist das anders. Wie bist du an den Oldigor Verlag gekommen.

CK (guckt verwundert)

SME: Doofe Frage?

CK (lacht): Ich stelle diese doofen Fragen ja auch immer… Im Ernst, durch Mundpropaganda. Wir Autoren empfehlen auch schon mal den einen oder anderen Kollegen. Aber das ist eher die Ausnahme.

SME: Über Wochen in der Bestseller-Liste des Oldigor Verlags vertreten und in der Hemeraner Buchhandlung ein Kassenschlager: Wie erklärst du dir dieses Phänomen?

CK: Das liegt sicherlich auch am Genre. „Finisterre“ ist als Kriminalroman beworben worden, und zurzeit sind Krimis wohl die besten Verkaufsgaranten. Ich bin eigentlich eher ein Geschichtenerzähler. Auch „Finisterre“ ist aus einer sehr viel kürzeren Erzählung heraus entstanden. Aber die Handlung hat den Verlag überzeugt, dass sie mich baten, einen Roman daraus zu entwickeln.

SME: Und das mit Erfolg. Dein zweiter Roman „Finisterre“ ist im Dezember letzten Jahres beim Oldigor-Verlag erschienen. Du hast zwei Romane veröffentlicht, diverse Anthologien mit deinen Geschichten bestückt. Was ist nun in Planung?

CK: Nun, ich schreibe derzeit an der Fortsetzung von „Finisterre“. Allerdings werden dort nur noch wenige Figuren aus dem ersten Teil auftreten. Außerdem stehe ich mit dem Oldigor-Verlag in Verhandlung für ein Buch mit kurzen Geschichten. Ich selbst mag es, vor dem Schlafengehen eine Geschichte bis zum Ende zu lesen. Das gelingt mit einem Fünfhundertseiten Roman in den seltensten Fällen. Und ich bin davon überzeugt, dass viele Menschen ein solches Leseverhalten an den Tag legen.

SME: Wir dürfen gespannt sein. Ohne dem Inhalt deines Romans etwas Wesentliches vorweg zunehmen: Es wird mystisch. Besonders durch das Auftreten zweier Frauen aus der Volksgruppe der Roma. Gab es einen speziellen Grund dafür?

CK: Nun, zu Schulzeiten hatte ich einen Klassenkameraden, der aus einer Roma-Familie stammte. Nach der Schule war ich öfter zum Essen bei dieser Familie. Sein Vater spielte Geige in einem Orchester, mein Freund war ein begnadeter Klarinettenspieler, was mich als Musikliebhaber besonders faszinierte. Ich wollte in meinem Buch mit den Vorurteilen gegenüber dem „fahrendem Volk“ brechen.

SME: Eine andere Gruppe kommt nicht so gut weg: eine Sekte. Du benennst sie nicht?

CK: Nein. Es könnte jede Form einer Sekte sein. Gefährlich sind sie alle. Wie schon erwähnt, ich bin kein reiner Unterhalter, sondern ein Geschichtenerzähler. Ich will meine Leser an meinen Gedanken teilhaben lassen und zum selbstständigen Denken anregen.

SME: Willst du polarisieren?

CK: Natürlich. Das vermisse ich in unserer heutigen Zeit. Welcher Autor lehnt sich denn noch auf? Wo gibt es Menschen, die sagen, was sie denken? Die Schriftsteller haben zu allen Zeiten die Hand in die Wunden der Gesellschaft gelegt, was ich in Deutschland zurzeit vermisse. Es gibt nur wenige Kabarettisten, die dieser Aufgabe gerecht werden und ernst zu nehmen sind. Alle anderen fallen unter den Begriff „Klamauk“.

SME: Das ist ein wirklich gelungener Schlusssatz. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Außer: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.

CK: Es war mir ein Vergnügen.

Mehr über Claus Karst und seine bisher veröffentlichten Romane gibt es im www-Punkt zu entdecken:

Die Autorenhomepage

Literaturmagazin „WortArt“ im Bürgerradio

Claus Karst Autor bei Facebook

Oldigor Verlag

Seine veröffentlichten Romane bei Amazon

Mein Kur-Ratgeber-Manuskript steckt in den letzten Zuckungen

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Lach‘ doch mal!

Das Manuskript für meinen Mutter-Kind-Kur-Ratgeber ist fast fertiggestellt. Leider bin ich etwas in Verzug geraten. Das Ausmaß des Buches ist umfangreicher geworden, als ich am Anfang dachte! Zur Zeit sitze ich an den letzten Tagebucheinträgen der Kur-Mutter Anneke, an den Literaturhinweisen und an der Bearbeitung der Quellenangaben… (Soll ja hinterher nicht heißen, ich hätte abgeschrieben!)

Bevor das Manuskript jedoch auf dem Schreibtisch meiner Herausgeberin Sandra Gau landet, werde ich es vorsichtshalber noch durch „Papyrus“ jagen. Den ein oder anderen stilistischen Fehler, erkennt dieses Programm sofort.

Ich hoffe, dass ich zum Ende des Monats fertig bin. Nein, ich weiß, dass ich zum Ende des Monats fertig bin!!!

Für alle, die schon mal einen Blick in Annekes Tagebuch werfen wollen: Hier geht es lang…

Figurenseminar belegt und plötzlich verwirrt

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin verwirrt!

Am Wochenende habe ich im Iserlohner Literaturhotel Franzosenohl (eine, unter Autoren bekannte und beliebte Adresse zum Lesen, Lauschen und Entspannen) ein Schreibseminar zum Thema „Figurenbau im Roman“ belegt. Und damit fing das Dilemma an…

Sonntagabend, kaum zu Hause, machten sich meine Figuren plötzlich selbstständig. Es gab ein Hauen und Stechen unter den einzelnen Protagonisten. Jeder beanspruchte das Recht der ersten Reihe nur für sich allein. Da musste sich meine dreifache Mutter Anneke, die dringend kurbedürftig ist, plötzlich mit einem pädophilen Kinderschänder herumschlagen. Kleine Fantasiewesen (die ich vorher nie an irgendeiner Stelle bemerkt habe) umschmeichelten mich, so dass ich glatt gewillt war ihnen den Vortritt zu geben. Dazu kam ein schüchterner Rollstuhlfahrer, der mir plötzlich so leid tat, dass ich alle anderen Figuren zur Seite scheuchte…

Und dann diese Lautstärke! Leute, meine drei Kinder nach zwei Flaschen Fanta und einem Wochenende im Nintendo-Rausch waren angenehmer zu ertragen. Was mache ich jetzt nur? Die Figurenmeute kann ich ja kaum aus den Augen lassen? Hat jemand einen Ratschlag für mich, wie sich verselbstständigte Figuren wieder bändigen lassen? Für jeden Tipp bin ich mehr als dankbar 😉

Pünktlich zum Fototermin lachte uns die Sonne.

Pünktlich zum Fototermin lachte uns die Sonne.